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Demütigung und Unterwerfung

in BDSM ~ Encyclopedia 15.02.2016 20:37
von Team • 113 Beiträge

Demütigung

Außerhalb der normalen zivilisierten Umgangsregeln behandelt zu werden ist eine weitverbreitete Phantasie. Wie bei allen Spielen, die mehr auf der psychischen als der körperlichen Ebene ablaufen, sind die Gefahren nicht so offensichtlich.

Während viele Menschen die Vorstellung, gedemütigt zu werden, ausgesprochen erregend finden, kommt es bei manchen von ihnen bei der Umsetzung in die Realität zu einem Gefühlsausbruch (Absturz), bei dem versteckte Empfindlichkeiten hochkommen. Die erotische Spannung geht verloren und Ekel und sogar Hass können an ihre Stelle treten.

Um das zu vermeiden ist eine gute Kenntnis seiner selbst und des Partners notwendig. Man sollte sich überlegt haben, ob man das mit genau diesem Partner genau jetzt machen will. Es ist im allgemeinen keine gute Idee, bei solchen Spielen imaginäre oder tatsächliche körperliche Mängel des Partners zu verhöhnen - darauf reagieren beide Geschlechter höchst empfindlich und meist absolut unerotisch.

Zwar kann man Demütigungsspiele langsam anfangen, um sich "heranzutasten", aber das ist schwieriger als zum Beispiel bei Schlagspielen: In dem Moment, wo es unangenehm wird, kann man die Härte der Schläge zurücknehmen; bei einer Demütigungszene wird man wahrscheinlich so viele Gefühle verletzt haben, dass eine Unterbrechung und Trösten angesagt sind. Daher sind Absprachen hier besonders wichtig.

Spiele mit Erniedrigung können Nachwirkungen haben: solange beide noch heiß sind, fühlt es sich gut an, aber am nächsten Tag kommt der Kater. "Hat er das jetzt wirklich so gemeint?", diese Frage kann einem gehörig nachhängen. Daher ist es besonders wichtig, daß der Dom den Sub wieder aufbaut, ihn fühlen lässt, dass die Beschimpfungen, die Demütigungen und verächtlichen Blicke nichts mit den tatsächlichen Gefühlen füreinander zu tun haben.
Und auch Doms hilft es, wenn sie nachher spüren, dass ihr Partner ihnen die Demütigungen nicht nachträgt, es können in der Hitze der Session ja durchaus Worte gefallen sein, die man sich sonst niemals an den Kopf werfen würde.



Was tun, wenn...


Es gibt Fälle, wo es beim Top oder Sub zu einer emotionalen Reaktion auf das Spiel kommt, dem sogenannten "Absturz". Die Gründe dafür sind so verschieden wie die Leute selbst. In diesem Fall sollte man das Spiel sofort abbrechen, den Partner in den Arm nehmen und versuchen herauszufinden, was schief gegangen ist.

Warnzeichen sind ein Sub, der verstummt, nicht mehr recht reagiert oder plötzlich in Tränen ausbricht. Zwar können Rotz-und-Wasser heulende Bottoms auch grade im Nirvana schweben, aber man sollte sich versichern, dass alles in Ordnung ist. Bleiben Reaktionen aus, hilft nur ein schneller Abbruch und einfühlsames Trösten.

Solche Abstürze sind zwar zum Glück selten, aber leider auch kaum vorhersehbar.

Es ist nicht schlimm, wenn sie vorkommen, schlimm wird es, wenn man unvorbereitet ist.

Besonders am Anfang sind Missverständnisse und das Gefühl, sich ungeschickt und alles andere als erotisch anzustellen, nicht ganz selten. Man sollte davon ausgehen, dass man das eine oder andere Spiel wird abbrechen müssen, weil etwas nicht so läuft, wie einer der Partner sich das vorgestellt hat. Auch hier gilt: Miteinander reden, so viel wie nur möglich. Dann wird man auch aus diesen Abbrüchen lernen.

Das Verteilen von Schuld ist dabei vollkommen kontraproduktiv, solange es sich nicht um Missachten klarer Abmachungen handelt. In allen andern Fällen sollte man versuchen, stattdessen gemeinsam die Ursachen herausfindet und sich über Strategien unterhalten, die helfen, ein derartiges Fehlspiel in der Zukunft zu vermeiden.



Unfälle

Tritt ein wirklicher Notfall auf, ist zuallererst Ruhe zu bewahren. Bei Verletzungen ohne Zögern die Notaufnahme aufsuchen oder einen Krankenwagen rufen. Notärzte wie auch das Personal von Unfallambulanzen haben in ihrem Leben schon alles gesehen und unterliegen einer einklagbaren Schweigepflicht. Der Leitspruch ist hier lieber blamiert als tot. Immer genau das erzählen, was auch vorgefallen ist. Zu viele Sadomasochisten schicken Ärzte erstmal auf eine Rätselrallye, die nur Zeit kostet, die Behandlung erschwert und den Doktor ärgert. Auch ein mäßiger Arzt wird irgendwann solche Lügen durchschauen. Tatsächlich gilt seit 1994 der Sadomasochismus in der Medizin nicht mehr als krankhaft, auch wenn viele Ärzte das noch nicht wissen werden.

Deshalb: Im Zweifelsfall niemals zögern, professionelle Hilfe aufzusuchen. Diese Regel gilt für den Erfahrensten genauso wie für den Neuling.

Sadomasochismus ist eine spielerische Teilung von Herrschaft und Unterwerfung, keine wirkliche. Wenn nicht ausdrücklich ein anderer Zeitrahmen vereinbart wurde, hört mit dem Ende des Spiels jede Macht des Tops über den Bottom auf.

Die letzte Aufgabe des Tops ist es, den noch in den Wolken schwebenden Bottom sanft wieder auf die Erde zu begleiten, sich um ihn zu kümmern. Irgendwann sollte man darüber sprechen, was wem wie gefallen hat und was nicht: SM ist ein Lernprozeß für beide Seiten. Aber das muss nicht unbedingt sofort sein.






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zuletzt bearbeitet 21.02.2016 15:06 | nach oben springen
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